Faulheit: der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit (Immanuel Kant)

Ist es erlaubt, einfach mal faul zu sein? In unserer Leistungsgesellschaft, in der alle immer und zu jeder Zeit funktionieren müssen – darf man sich da so etwas Verpöntem wie dem süßen Nichtstun hingeben? Es sei angemerkt, nur zwischenzeitlich. Nur für ein Stündchen, in dem man sich auf die Terasse setzt und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lässt. Oder einen verregneten Sonntag lang, den man faul auf dem Sofa lümmelnd verbringt? Ist das dann nicht unnütz vertane Zeit, in der man doch auch etwas sinnvolles erledigen hätte können? Etwa endlich die Sommersachen in den hinteren Teil des Kastens zu verräumen oder den Schreibtisch von sich stapelnden Papieren zu befreien? Sich bewußt mit den Kindern zu beschäftigen oder zumindest den Garten winterfest machen.
Kennt außer unseren Kindern noch jemand Langeweile? Langeweile ist für uns Erwachsene leider zu einem wahren Luxusgut geworden. Und wenn man dann der Faulheit frönt, tut man das nicht ohne schlechtem Gewissen. Lang, lang ist es her, dass jene Menschen, die es sich leisten konnten, nichts zu tun und ihre Tage mit Zeit und Muße verbachten, von der sich abplagenden, arbeitetenden Schicht beneidet wurden. Ausschlafen und durch den Tag bummeln – und niemand der einem deshalb ein schlechtes Gewissen oder Faulheit nachsagt – wünschen wir uns das nicht manchmal heimlich? Die nebeligen Novembertage laden uns doch geradezu ein, es uns auf dem Sofa bequem zu machen oder den Tag bis in den späten Vormittag hinein im kuscheligen Bett zu verbringen! Lassen wir uns doch kein schlechtes Gewissen machen. Wir tun Tag ein Tag aus unsere alltäglichen Pflichten, da muss es uns doch wohl mal erlaubt sein, uns dazwischen irgendwo ein Stündchen abzuzweigen, das uns gehört. Und das ganz ohne ein schlechtes Gewissen! Ein Lob dem Nichtstun!

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