Es lebe der Sonntag

Immer wieder liest man über die heutige Notwendigkeit von Sonntagsöffnungszeit im Handel. Ein österreichischer Bauunternehmer ruft sogar den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte um Hilfe. Andere beklagen den Imageschaden den man in Wien gegenüber Rom und New York durchmacht, weil man sich sonntags hier zu Lande nur die Nase am Schaufenster platt drücken kann. Doch ist das der Wille der zig tausend Angestellten im Handel? Vielfach kommt hier von Befürwortern der Sonntagsöffnungszeiten der finanzielle Aspekt, der so lautet: „Es ist ja freiwillig und gut bezahlt!“. Wer sind denn die Menschen die wegen Geld ihre Freizeit, Zeit mit Familie und Freunden verkaufen (müssen?!)? Wahrscheinlich Menschen mit Pflichtschulausbildung, wahrscheinlich alleinerziehende Frauen, die, wegen ein paar Euro mehr ihre sozialen Kontakte opfern um sich und ihre Kinder finanziell über Wasser zu halten. Oder werden es jene sein, die (genug?!) Geld haben oder bei ihrer Arbeit von Montag bis Freitag verdienen? Werden sie es sein, die sich freuen, endlich auch sonntags arbeiten zu können? Eher wird letztere die Gruppe von Menschen sein, die den sonntäglichen Spaziergang durch den ersten Bezirk in Wien oder die Salzburger Getreidegasse zum Einkaufen nutzt. Diese wird der neue Imagegwinn beim Gespräch mit den Freunden in New York und Rom zahlreiche Vorteile bringen. Diese Umverteilung von Freizeit von Arm zu Reich ist zu hinterfragen. Bekannt sind die höheren Gesundheitskosten von Schichtarbeitern die unter anderem aus den mangelnden sozialen Kontaktfähigkeiten resultieren. Wer ist bereit diese zu tragen? Oder denkt man gleich den entscheidenden Schritt weiter und limitiert den permanent Sonntagsarbeitern den Zugang zur Sozialversicherung? Als Lösungsmodell wäre ja denkbar die Produkte zu einem „Sonntagspreis“ anzubieten. Dieser höhere Verkaufspreis deckt alle höheren Kosten – doch wer wird dann noch bereit sein einzukaufen? Auf der anderen Seite stehen natürlich die Unternehmer die sich durch die sonntäglichen Öffnungszeiten ein Mehr an Umsatz und Ertrag erwarten. Doch kann ein Euro ja doch nur einmal ausgegeben werden. Auch wenn am Sonntag offen ist. Bis jetzt haben wir alle unser Geld auch ganz gut von Montag bis Samstag ausgeben können – wem ist etwas übrig geblieben? Andererseits gibt es da heute schon eine Möglichkeit mehr Umsatz zu machen: Kreditgeschäfte. Menschen, die kein Geld mehr haben, nehmen sich direkt beim Händler ihrer Wahl den Kredit bei einer Bank (am besten bei einer spanischen, die dann alle heimischen Steuerzahler mit ihrem Steuereuro retten) um Dinge zu kaufen, die sie hoffentlich dringend brauchen! Ja, irgendwann ist dann Zahltag, aber bis dahin haben dann ein paar ihre Schäfchen ins Trockene gebracht. Schlimmstenfalls werden ein paar (Handels-)angestellte arbeitslos. Arbeitslosengeld zahlt die Allgemeinheit und nicht mehr die Unternehmen die vehement für die Sonntagsöffnung eingetreten sind. Und wieder haben wir eine Umverteilung von „Arm zu Reich“.

Gerade in der Weihnachtszeit, der stillen Zeit im Jahr, können wir uns diese Gedanken leisten und an unsere Mitmenschen zu denken. Nicht jeder ist in der Lage (zuviel?) Geld zu haben um es dann sonntags auszugeben. Wie bei allen Dingen gilt ja auch beim Konsum: Vorfreude ist die schönste Freude. Warum gönnen sich die „Sonntagseinkaufen-Fetischisten“ nicht diesen Luxus?

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